
Tageslenkzeit LKW: 9-Stunden-Regel, 10-Stunden-Ausnahme & Kontrolle
Die Tageslenkzeit ist die reine Zeit am Steuer eines LKW über 3,5 t innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums. Sie ist in Artikel 6 der EU-Verordnung 561/2006 auf 9 Stunden begrenzt und darf zweimal pro Woche auf 10 Stunden verlängert werden.
Die 9-Stunden-Regel im Detail
Als 24-Stunden-Bezugszeitraum gilt der Zeitraum ab Ende der letzten regelmäßigen Tages- oder Wochenruhezeit. Innerhalb dieser 24 Stunden darf ein Fahrer maximal 9 Stunden lenken. Wichtig: Es geht ausschließlich um Lenkzeit — Standzeiten an der Rampe, Betankung oder Wartung zählen als Arbeits-, nicht als Lenkzeit. Der digitale Tachograph erfasst Lenkzeit automatisch, sobald das Fahrzeug rollt.
Die 10-Stunden-Ausnahme
Zweimal zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten darf die Tageslenkzeit auf 10 Stunden verlängert werden. „Zwischen zwei Wochenruhezeiten" bedeutet in der Praxis: pro Kalenderwoche zwei 10-h-Tage. Die Ausnahme ist nicht an eine besondere Ursache gebunden — der Fahrer entscheidet selbst. Der Tachograph zählt 10-h-Tage automatisch mit.
Was zählt als Lenkzeit?
Lenkzeit ist jede Zeit, in der das Fahrzeug in Bewegung ist. Ampelstopps unter 1 Minute werden vom Tachographen weiter als Lenken gewertet. Rangierfahrten auf dem Betriebshof zählen ebenfalls, sobald sie mit eingelegtem Fahrerkarten-Slot stattfinden. Zwischen den Lenkphasen dürfen andere Arbeiten (Be-/Entladen, Werkstattgang) liegen — sie beenden die tägliche Lenkzeit-Uhr nicht.
Kontrollen und Nachweis
BAG, Zoll und Polizei kontrollieren die Einhaltung über die Fahrerkarte, die 28 Tage rückwirkend gespeichert sein muss, sowie über den Massenspeicher des Tachographen (365 Tage). Bei Kontrollen im Ausland gelten dieselben EU-Regeln. Verstöße unter 1 Stunde Überschreitung sind „geringfügig" (Bußgeld ab 30 €), zwischen 1 und 2 Stunden „schwerwiegend" und darüber „sehr schwerwiegend".
Praktische Beispiele
Beispiel 1: Fahrer beginnt 06:00 Uhr, fährt 4:30 h, macht 45 min Pause, fährt weitere 4:30 h — nach 9 h Lenkzeit muss er stoppen (ohne Pausen ist Schichtzeit dann etwa 15:15 Uhr). Beispiel 2: An zwei Tagen der Woche darf er stattdessen 10 h fahren, muss aber weiterhin nach 4,5 h die 45-min-Pause einlegen. Beispiel 3: Rangierfahrten am Anfang der Schicht (15 min) zählen bereits mit — sie kürzen die verfügbare Lenkzeit dieses Tages.
Häufige Fragen
Wie oft pro Woche darf ich 10 Stunden fahren?
Zählen Rangierfahrten zur Lenkzeit?
Was passiert bei 15 Minuten Überschreitung?
Darf ich die 10 h auf zwei kurze Tage aufteilen?
Weitere rechtliche Themen
Regeln, Termine und Rechner für den Fahreralltag.
Hinweis: Diese Seite bietet eine allgemein verständliche Zusammenfassung und stellt keine Rechtsberatung dar. Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität. Maßgeblich sind allein die amtlichen Gesetzestexte und der Bußgeldkatalog in der jeweils geltenden Fassung.
